Doch du, Ungläub’ger

von Lord Byron

 

Doch du, Ungläub’ger, sollst dich ringen,

Wenn Monkir wird die Sense schwingen;

Sollst, wenn du seiner Qual entflohn,

Umwandeln Eblis düstern Thron;

Glut, ungestillt und nie zu stillen,

Soll dir im Herzen endlos quillen,

Es kann kein Mund mit Worten malen

Der innern Hölle Folterqualen.

Zuerst, als Vampir umzugehn,

Soll aus der Gruft dein Leib erstehn;

Dann schleich als Scheusal in dein Haus,

Und saug das Blut den Deinen aus;

Um Mitternacht entströmt das Blut,

Des Kinds und Weibes Lebensflut.

Doch deinem Leichnam, graß und fahl,

Soll ekel werden dieses Mahl;

Dein Opfer selbst, eh es verblich,

Erkenn als seinen Vater dich-

Am Stamm welkt deiner Blumen Leben,

Die, so verflucht, den Fluch dir geben.

Doch eine soll als Opfer fallen,

Die jüngste, liebste dir von allen,

Die soll dich segnend Vater nennen-,

Dies Wort wird dir im Herzen brennen!

Doch würgen mußt du sie und sehn

Der Wange letztes Rot verwehn;

Den letzten Blick, der glasig stiert,

Da leblos drin das Blau gefriert.

Dann reiß mit verruchter Rechte

Vom Haupt herab die blonde Flechte,

Von der ein Löckchen sonst, ein Haar,

Ein süßes Pfand der Liebe war.

Dir soll es jetzt ein Zeichen sein

Der grauenvollsten Todespein!

Es triefe dir von Zahn und Mund

Das beste Blut aus deinem Bund!

Dann tappe nach dem Grabe stumm,

Treib mit Dämonen dich herum,

Bis diese Schar, vor Schreck erbleicht,

Dir dem verfluchtern Unhold weicht.

Im leeren Spiegel

von Johannes Bobrowski

 

In den Gewässern des Lichts,
die Stirnen, gegeneinander,
Sommergehölz fliegt herauf
über die Hüfte dir, Blitze
schrei ich herab, ihr kommt
fernher, Blitze, Asche,
Flocken Asche
fallen von dir, dein Kleid.

An der Schulter war ich,
die Ader an deinem Hals
brach mir im Mund, du sinkst
nicht, ich halt dich
bei den Armen, ich heb
über die Tiefe dich, so
geh vor mir her.

Einmal: ich bring dir wieder
den Trunk, vor den Himmeln
flieg ich, einmal: ich komm
aber herab, du hörst mich
atmen, dich hören die Felder
über dem Wind, ein weißes
Licht spricht mit dir.

Die Verwandlungen des Vampirs

von Charles Baudelaire

 

Das Weib indessen mit dem erdbeerfarbnen Munde,

Sich windend schlangengleich auf glühend heißem Grunde,

Die festen Brüste in das Mieder eingeschnürt,

Es sprach ein Wort aus, das wie Ambrahauch verführt:

-„Auf meinen Lippen liegt ein Schmelz, mir wurden Gaben,

Die das Gewissen im Alkoven tief begraben.

Die Tränen trocknen schnell an meiner stolzen Brust,

Die Greise lachen wie die Kinder voller Lust.

Wer hüllenlos und nackt mich sieht, verzichtet gerne

Auf Mond und Sonne und den Himmel und die Sterne!

Ich bin, mein weiser Freund, in meiner Kunst geschickt,

Wenn fürchterlich mein Arm den schwachen Mann umstrickt,

Und seinem wilden Biß blüht meine Brust entgegen,

So schwach und stark zugleich, so schüchtern und verwegen,

Selbst Engel gäben auf dem Bett sich wild und heiß

Die doch geschlechtslos sind, für mich der Hölle preis!“

 

 

Als aus den Gliedern sie mir alles Mark gesogen,

Und als ich stöhnend mich auf sie hinabgebogen,

Zum langen Liebeskuß da sah ich sie nicht mehr:

Ein Schlauch lag neben mir, mit Schleim und Eiter schwer!

Ich schloß die Augen schnell in fröstelndem Erbeben,

Um sie am Morgen neu zu ihr emporzuheben,

Doch mir zur Seite an des Ungeheuers Statt,

Das ganz, so glaubte ich, von meinem Blute satt,

Da war ein klapperndes Skelett allein zu sehen,

Abscheulich rasselnd wie der Wetterfahne Drehen,

Und wie ein Aushängschild, am Eisen festgemacht,

Das klappernd sich bewegt im Sturm der Winternacht.

Der Vampir

von Charles Baudelaire

 

O du, die wie ein Todesstreich
Tief in mein stöhnend Herz gedrungen;
O du, die einem Dämon gleich,
Von wildem Übermut bezwungen,

Gekommen ist, in meinen Sinn
Zu herrschen und sich einzubetten;
-Du Schmach, der ich verhaftet bin,
So wie der Sträfling seinen Ketten,

So wie der Spieler seiner Sucht,
So wie der Trinker seinem Glase,
So wie die Made ihrem Aase,
-Verflucht bist du, du bist verflucht!

Den raschen Dolch hab ich beschworen,
Daß er die Freiheit mir erzwingt,
Das Gift hab ich umsonst erkoren,
Daß es dem Feigling Hilfe bringt.

Ach! Gift und Dolch mich nur verlachen,
Verächtlich sprechen alle zwei:
„Du bist nicht wert, dich freizumachen
Von so verwünschter Sklaverei,

Du Tor! – wenn dich von diesem Schrecken
Einst auch erlöste unsre Kraft,
So würde deine Leidenschaft
Noch deines Vampirs Leiche wecken!“

Heimweg

von Ingeborg Bachmann

Nacht aus Schlüsselblumen

und verwunschnem Klee,

feuchte mir die Füße,

daß ich leichter geh.

Der Vampir im Rücken

übt den Kinderschritt,

und ich hör ihn atmen,

wenn er kreuzweis tritt.

Folgt er mir schon lange?

Hab ich wen gekränkt?

Was mich retten könnte,

ist noch nicht verschenkt.

Wo die Halme zelten

um den Felsenspund,

bricht es aus der Quelle

altem, klarem Mund:

„Um nicht zu verderben,

bleib nicht länger aus,

hör das Schlüsselklirren,

komm ins Wiesenhaus!

Reinen Fleischs wird sterben,

wer es nicht mehr liebt,

über Rausch und Trauer

nur mehr Nachricht gibt.“

Mit der Kraft des Übels,

das mich niederschlug,

weitet seine Schwinge

der Vampir im Flug,

hebt die tausend Köpfe,

Freund- und Feindgesicht,

vom Saturn beschattet,

der den Ring zerbricht.

Ist das Mal gerissen

in die Nackenhaut,

öffnen sich die Türen

grün und ohne Laut.

Und die Wiesenschwelle

glänzt von meinem Blut.

Deck mir, Nacht, die Augen

mit dem Narrenhut.