Satia Te Sanguine

von Algernon Charles Swinburne

 

Wär‘ ich etwas dir nur, ich ertrüge
Die Bande, die mir so schwer,
Doch daß du mich liebst, ist Lüge:
Ich sprenge sie nimmermehr.

O schöne Lippen, o Brüste,
Weiß wie kein Mond und warm,
Zutreibt im Sturm eurer Küste,
Eine Blüte fruchtlos und arm.

Wie Sapphos fiebernde Glieder,
Die, weiß umspielt von Tang,
Mit dem Seeschaum auf und nieder
Sich wiegten im Wogengang-

Wird mein Herz dahingetragen
Von wild mich betäubender See
Und gewinnt nur Seufzer und klagen,
Nur Leid unter Wind und Lee,

Ein Nachen, leer und zerschmettert,
Der irr mit den Wogen schifft,
Siech und umbraust und umwettert,
Eines Herzens nutzlose Trift.

Wo wüten in grausamem Zorne
Die Götter und bohren vorein
Wie Demantspitzen Dorne
Und Qualen? Ins Fleisch? O nein!

Die Zepter, die Folterschmerzen
Sind weich wie der Schaum auf der Flut,
Die Götter kreuzigen Herzen,
Nicht Hände in grausamer Wut.

Jedem andern Schmerz wird Rast,
Er stirbt im Hirn mit dem Sein-
Der unendliche Geist nur fast
Den Puls unendlicher Pein.

Ich möcht den Tod dir geben
So herb, daß die Furcht er vertrieb,
(Denn besser ist sterben als leben)-
Ich wollt‘, du wärst tot, mein Lieb.

Ich wollte vom Blitz dich gefällt,
Verzehrt in flammendem Nu,
Vom treffenden Strahl zerspellt,
Mich tot dir zu Füßen wie du.

Doch könnte mich eines versöhnen:
Wenn dein Herz, ob noch so klein,
Das hungern mich läßt und stöhnen,
Nicht Schlange nur wär‘ oder Stein.

Haß Hunger und Tod gelüsten
Nach Qual nicht mit solcher Gier;
Du bist Taube von Augen und Brüsten
Und doch tötet ein Hauch von dir.

Wie die Pest in vergifteter Stadt
Ob den Toten jauchzt, so du,
Bittet Liebe dich bleich und matt:
Wirf einen Brocken mir zu.

Wie ein zahmes Tier will sie’s machen
Und schmeichelt, doch erntet nur Hohn;
Aus Nadeln so scharf wie dein Lachen
Erhöhst du ein Kreuz ihr zum Lohn.

Stumm duldet sie Dornen und Schwippen
Und schweigend Pfeil und Erz;
Du saugst mit rotschläfrigen Lippen
Ihr feuchtrote Wunden ins Herz.

Du glühst, wie ihr Blut bei dem Saugen
Versiegt und sie sinkt auf den Grund,
Mit unersättlichen Augen
Und unersättlichem Mund.

Du stäuptest sie, gabst den Spöttern
Am Kreuze sie preis und riefst:
Zu den Toten und ihren Göttern
Versenkt in das Meer sie zu tiefst.

Doch so voll du die Leiden ihr maßest,
Sie stirbt nicht; ich sehe sie noch.
Du kamst und gingst und vergaßest,
Ich hoffe: einst stirbt sie doch.

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